20.3.2025
Angepeilte Verdoppelung des Nahverkehrsangebots wurde bisher verschlafen
Greenpeace beklagt Stillstand beim ÖPNV-Ausbau
In Deutschland fehlen 90.000 Fahrpersonale für adäquate Verbesserungen im Nahverkehr
Auch aus Sicht von Bielefeld pro Nahverkehr besteht beim ÖPNV-Ausbau erheblicher Nachholbedarf. In Bielefeld existiert im Vergleich zu anderen deutschen Städten durchaus ein akzeptables Grundangebot, aber durchgreifende Verbesserungen lassen nach wie vor auf sich warten. Eine Erweiterung des Stadtbahnnetzes, das dem Anspruch einer Verkehrswende gerecht wird, ist letztmalig vor 25 Jahren mit der Inbetriebnahme der Universitätslinie 4 erfolgt. Von dem anspruchsvollen Konzept moBiel 2030 ist praktisch kaum etwas realisiert worden. Auch die Zeit wirksamer Marketingkampagnen wie der viele Jahre tragenden Klimaengel-Aktion, die zusammen mit kontinuierlichen Angebotsverbesserungen zu einem sehr guten Image und entsprechenden Fahrgaststeigerungen geführt haben, scheint vorbei zu sein.
Die bereits im Jahr 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, erreichten mehr als 60 Millionen jährliche Fahrgäste konnten trotz der Einführung des Deutschlandtickets selbst im Jahr 2024 noch nicht wieder erreicht werden, geschweige denn, dass überhaupt Zuwächse zu verzeichnen wären. Um die gesteckten verkehrspolitischen Ziele zu erreichen, ist ein komplettes Umdenken erforderlich. Das gilt nicht nur für den Stadtbahnausbau, der zwangsläufig einen längeren Vorlauf erfordert, dabei allerdings nicht zu einer unendliche Geschichte ausarten darf. Auch sehr kurzfristig lässt sich insbesondere beim Busverkehr durch das Füllen kleiner Angebotslücken und kreative Maßnahmen zur Verbesserung der teils desolaten Betriebsqualität sehr viel verbessern. Bei der derzeitigen Baustellendichte in Bielefeld gilt das insbesondere für die verkehrliche Ausgestaltung von Umleitungsstrecken, die Qualität der Ersatzhaltestellen und die in diesem Zusammenhang erfolgende Fahrgastinformation. Hier muss ein kolossales Umdenken bei der Stadt Bielefeld und bei den Verkehrsunternehmen erfolgen. Die Städte in der Schweiz können diesbezüglich ein gutes Vorbild sein.
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- Neue Westfälische, 04.04.2018. Texte und Fotos aus der Neuen Westfälischen sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion. https://www.nw.de