19.03.2014 | Bahnhof Brackwede | Fernbusbahnhof Brackwede

Brackwede: Albtraum für Bahn- und Fernbusreisende

Die Sanierung des Brackweder Bahnhofs rückt in weite Ferne. Bund, Land und DB haben den Bahnhof nicht in das Modernisierungsprogramm aufgenommen. Dabei wird die Sanierung immer dringlicher, wie der letzte tödliche Unfall erneut deutlich gemacht hat. Auch die Zustände am sogenannten Internationalen Busbahnhof werden immer unerträglicher: Die Zahl der Bushalte steigt, aber Verbesserungen bei der Infrastruktur finden nicht statt.

Pressemitteilung

Brackwede: Albtraum für Fernbus- und Bahnreisende

Mit großer Enttäuschung hat der Verein Bielefeld pro Nahverkehr die Nachricht aufgenommen, dass der Bahnhof Brackwede nicht in das Modernisierungsprogramm MoF2 aufgenommen werden soll. „Besonders vor dem Hintergrund des erneuten tödlichen Unfalls beim verbotenen und mehr als leichtsinnigen überqueren der Gleise fehlt uns jegliches Verständnis, die dringend notwendige Erneuerung des Bahnhofes weiter hinaus zu schieben“, kommentiert Dr. Godehard Franzen, Vorsitzender von „Bielefeld pro Nahverkehr“ die Meldungen der letzten Tage: „Die Bahn macht es sich mit dem Hinweis, die Abstandsflächen zur Bahnsteigkante deutlicher markieren zu wollen, zu einfach. Sie wird damit ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht gerecht. Eine Warndurchsage vor jedem schnell durchfahrenden Zug wäre eine Verbesserung, bliebe aber dennoch nur eine halbherzige Lösung.“ Wenn eine Modernisierung mit einer Erhöhung der Bahnsteige auf 75 cm in nächster Zeit nicht erfolgen könne, dann müssten eben die Durchfahrgleise mit einem provisorischen Zaun dazwischen gegen überqueren gesichert werden.

Bahnhof Brackwede


Christoph Birnstein und Norbert Block, die sich als Vorstandsmitglieder von Pro Nahverkehr seit Monaten mit dem sog. Internationalen Busbahnhof beschäftigen, sehen eine enge Verbindung zwischen dem maroden Bahnhof und den unzumutbaren Zuständen am Fernbusbahnhof. Christoph Birnstein: „Wenn in den nächsten 6 bis 10 Jahren nichts am Bahnhof passiert, welchen Sinn machen dann eigentlich überlegungen zur Verbesserung des Fernbusbahnhofs?“ Wenn es trotzdem bei dem Standort in Brackwede bleiben solle, so Birnstein und Block, dann müsse endlich gehandelt werden. Block: „ADAC-Postbus hat seine Fahrten aufgestockt. Mit Flixbus und MeinFernbus kommen in Kürze zwei weitere Anbieter hinzu. Damit dürfte eine Frequenz von 30 Bussen täglich bald erreicht sein. Die diversen Europabuslinien sind dabei noch gar nicht mitgezählt. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Birnstein und Block haben sich über die Ausstattung von Fernbusbahnhöfen in anderen Städten informiert und Gespräche mit Fernbusanbietern geführt. Sie haben einen Forderungskatalog aufgestellt, was zu tun ist und wie ein gut funktionierender Busbahnhof ausgestattet sein muss: „Das fängt bei einer deutlichen Wegweisung von den Fernstraßen nach Brackwede an. Am Busbahnhof selbst sind überdachte Haltestellen erforderlich. Das kleine aufgestellte Wartehäuschen ist lediglich ein Notbehelf. Die Infrastruktur muss verbessert werden. Neben der Möglichkeit, sich mit Reiseproviant versorgen zu können, ist die Toilettenfrage endlich zufriedenstellend zu lösen. Bessere Beleuchtung und evtl. sogar Videoüberwachung können für mehr Sicherheit sorgen.“

Bahnhof Brackwede

Die gute Anbindung des Fernbusbahnhofs an den ÖPNV werde immer wieder betont. Da gebe es aber erhebliche Defizite, so Block: „Im übergangsverkehr zu Regionalbahnen fehlen ein Ticketautomat und eine deutlichere Wegweisung. Der Anschluss an die Stadtbahn ist ebenfalls zu verbessern. Ein Aufzug neben der Treppe ist für einen barrierefreien Zugang erforderlich. Die städtischen Buslinien könnten statt an der Gütersloher Straße am Bahnhof Brackwede (Stellwerkstr.) halten.“ Das Thema Barrierefreiheit werde ohnehin bisher stiefmütterlich behandelt. Birnstein: „Auch Fernbusse müsse auf mittlere Sicht barrierefrei zugänglich sein. Die Haltestellen müssen also entsprechend aufgepflastert werden.“

Die Parksituation für den Bring- und Abholverkehr der Reisenden sei so zu regeln, dass private Pkws nicht immer wieder die Haltebuchten der Busse blockieren. Damit, so Block und Birnstein, seien nur die wichtigsten Forderungen benannt.

„Wenn Politik und Verwaltung den Standort Brackwede auf Dauer beibehalten wollen, dann müssen sie auch für eine entsprechende Ausstattung sorgen. Sonst werden mittelfristig die Fernbusanbieter Bielefeld meiden“, betont Franzen: „Um die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen, muss auch über eine Bewirtschaftung des Busbahnhofes nachgedacht werden.“ Leider sei bei der Öffnung des Fernbusmarktes versäumt worden zu regeln, wer für die notwendige Haltestelleninfrastruktur aufkommen müsse. Franzen: „Nach unseren Gesprächen sind die Fernbusunternehmen für Nutzungsgebühren offen. In etlichen Städten sind sie bereits Praxis. Bei 30 Bushalten pro Tag und einer Gebühr von 5 € pro Halt kommen pro Jahr immerhin 54.000 € zusammen. Damit ließe sich schon einiges finanzieren. Die Fernbusunternehmen werden allerdings nur Gebühren bezahlen, wenn sie dafür eine angemessene Gegenleistung bekommen.“

Dr. Godehard Franzen

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